Die widerspenstigen Jungfrauen

1525 widersetzte sich die Äbtissin Caritas Pirckheimer dem evangelischen Glaubenszorn.

Die Nachricht hatte sich in der Stadt wie ein Lauffeuer verbreitet. Schaulustige strömten aus allen Gassen und bewegten sich in Richtung des Nürnberger Klarissenklo­sters. Angekündigt hatte sich die Sache ja schon seit geraumer Zeit, aber jetzt hatten sich die Ereignisse bedrohlich zugespitzt: Drei ehrbare Nürnberger Patrizierinnen ließen sich nicht mehr länger hinhalten. Die Ebnerin, die Nützelin und die Tetzelin schritten beherzt zur Tat. Sie wollten ihre Töchter wiederhaben, sie im Handstreich befreien aus den engen Mauern des Klosters, aus den Fängen der erwiesenen Irrlehre des Katholizismus. Der Äbtissin Caritas Pirckheimer hatten sie an jenem Abend des 14. Juni 1525 ein Ultimatum gestellt. Binnen Stundenfrist würden sie ihre Töchter notfalls mit Gewalt befreien. In der öffentlichen Meinung war dieses Kloster wie so viele andere zwischenzeitlich zum Regnum infernum, einem Höllenreich, einem Ort der Unzucht mutiert. Denn in den bewegten Tagen der Reformation hatten sich einige Gerüchte verbreitet… Und irgendwas würde schon dran sein?! Hatte sich nicht erst neulich ein evangelischer Prediger verkleidet als Frau hinter die sog. geheiligten Mauern des Nürnberger Klarissenklosters geschlichen…? Sein Urteil danach war vernichtend: Sodom und Gomorrah herrsche dort, ein unzüchtiges Gesindel, richtige Vetteln seien sie, die sog. „Bräute Christi“. Daß es sich dabei um böswillige Verleumdungen handelte, daß der „fromme Mann“ als munterer Freier im Kloster fette Beute zu machen hoffte, aber dort abblitzte, diese erhellenden Hintergrundinformationen vernachlässigte man gerne. Wahr war das, was man glauben wollte, was momentan opportun war. Nota bene: Wir befinden uns hier am Anfang der Neuzeit. Das sog. postfaktische Zeitalter unserer Tage liegt noch in weiter Ferne! Jedenfalls lieferten solche Gerüchte eine gute Basis, um sich hell zu empören. Wer wollte es da den couragierten Nürnberger Müttern verdenken, daß sie hier einschritten. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, kamen sie mit Verstärkung. Eskortiert wurden sie von einem Trupp kräftiger bewaffneter Landsknechte, was keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Mütter aufkommen ließ.

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