Cuisine à la Jean Paul

Die Foodstylistin Beate Roth holt sich ihre Kochanregungen in den Werken des oberfränkischen Dichters.

Daß ein ganz dem geistigen Schaffen verschriebener Mensch sein Leben lang nur Kartoffeln ißt, würde der Autor dieses Textes vom Grundsatz her durchaus verstehen, könnte er sich doch selbst ausschließlich von Steaks ernähren; allerdings im Gegensatz zum Schriftstellermythos, in dem eine Rollwenzelin ihrem verehrten Dichter Jean Paul immer nur Erdäpfel serviert und diese oft genug auch noch kalt werden, kommt im wahren Leben damals und auf jeden Fall heute gelegentlich ein halbes Hähnchen, ein Döner oder ein Schweinebraten dazwischen. Andererseits beklagt sich Jean Paul über das ständige Essenmüssen: „Wie oft hab ich gewünscht, daß ein anderer für mich äße und besonders tränke, damit ich nichts bekäme als den Weinund Koch-Geist, um nachher fortzufahren auf dem Papier.“ Womöglich waren ihm die ewigen Kartoffeln Abschreckung (auch das könnte man verstehen) wie heutigen Rauchern die Lungenkrebsbildchen auf den Zigarettenschachteln. Vielleicht war ihm die Rollwenzelei eine Art Vorhölle; vielleicht war sein gesamtes literarisches Werk auch nur eine einzige Anklage an seine Mitmenschen, die ihm in der Tradition der seit Jahrhunderten üblichen Schauessen all die Köstlichkeiten, die in den damals bereits weit verbreiteten Kochbüchern irgendwie „magnetisch“ vorgegessen wurden, vorenthielten.

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