Bilderserie: Imbißbuden in Franken

Schön, originell, kurios ... und lecker.

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Frontcooking. Irgendwie appelliert der Name an unterirdisch männliche Instinkte, obwohl der Inhaber dieser Restauration, Konrad Pomp, versichert, er habe den Namen allein gewählt, weil er alles Eßbare, vom leckeren Backhähnchen bis zur naßkalten Belästigung (vulgo: Salat), vor den Augen seiner Gäste zubereitet. Und doch klingt es, als handele es sich womöglich um eine vom einstigen Stellungskrieg institutionalisierte Feldküche. Nun sind die GIs inzwischen aus Bamberg abgezogen, aber noch lange nicht der american way of life. Jedenfalls gibt es in der zum Vorposten einer Schrebergartensiedlung mutierten Nachschubeinrichtung in der Coburger Straße weiterhin alles, was die Herzen vom „Private“ bis zum „Sergeant“ höher schlagen läßt: Hot Dogs, Westernschnitzel, Countryschnitzel, Schnitzelsandwich; und erst die Burger: Hamburger, Cheeseburger, Cowboy Burger, Franken Burger, Italo Burger (dazu später mehr) und alle mit Pommes und in XXL.


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Letzteres (also: XXL) gemahnt uns irgendwie an den antiken König von Thessalien, Erysichthon. Der war nicht etwa den farbenfrohen Verlockungen aus dem unweiten Istanbul erlegen – natürlich ist das jetzt etwas geflunkert; Döner ist nämlich, wie die trübe Freundschaft von Griechen und Türken, vermutlich eine Erfindung späterer Tage und die dazugehörende Bude steht in Bergrheinfeld –, sondern war von der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter mit einer unstillbaren Freßsucht gestraft. Er hatte ungnädig eine ihrer heiligen Eichen gefällt und die darin lebende Dryade getötet. Das ist jetzt mal eine Symbolik: Erysichthon mußte zur Strafe alles fressen, was ihm vorkam und verzehrte am Ende sich selbst. (Das bildlich darzustellen, übersteigt vermutlich sogar die Fertigkeiten Hollywoods.)


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Mögen uns die alten Griechen aber mit ihren Mythen noch so überlegen sein, speziell gastronomisch können sie uns doch kaum das Wasser – das allerdings nicht selten mit Wein verpauscht war – reichen. Und doch: Was hätte Platon nicht für einen guten Espresso gegeben? Obwohl, zumindest ansatzweise, leiden wir heute wieder ähnlich. Allzu oft wird einem neuerdings italienischer Kaffee kredenzt, den sich der Barista vor allem als Überdosis einer bitteren und zähflüssigen Emulsion – vielleicht ähnlich der parfümierten Salbe wie sie in der Antike zum Gastmahl gereicht wurde – vorstellt. In, an, von diesem mobilen Café auf einem Textilmarkt in Würzburg wurde das belebende Heißgetränk im richtigen Verhältnis von Wasser und gemahlenen Kaffeebohnen serviert – obendrein hätte das schlechte Wetter eine Verdünnung ermöglicht.


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Die Bratwurst gab es bekanntlich bereits bei Homer (obwohl wir sie verständlicherweise lieber frisch hätten) in der Odyssee, wo Fett und Blut in Ziegenmägen gegrillt wurden. Immerhin eine Überlieferung, die beispielsweise zwischen Coburger und Thüringer und womöglich noch Nürnbergern zu häufigeren Disputen führt als, sagen wir: die Ideenlehre oder das Höhlengleichnis. In Lichtenfels ist die Entscheidung – obwohl Franken – gefallen und gottlob im Sinne einer grenzüberschreitenden Verständigung. Andererseits könnte es natürlich sein, daß ein Großteil der hungrigen Lokalpatrioten gar nicht liest, was oben dran steht, sondern nur nach dem Duft geht. Zumal laut neuesten Untersuchungen einer PISA-Studie für Erwachsene rund sechzig Prozent der Deutschen ohnehin nicht richtig lesen können.


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Spätestens beim Anblick dieses ja durchaus originellen Citygestrüpps in Nürnberg könnte einem klar werden, daß ganz grundsätzlich in der Imbißbranche mehr Kreativität von Vorteil sein dürfte. Da hat doch jüngst ein französischer Gastronom einen Burger nach einem manchen wohl bekannten Fußballer mit Vornamen „Zlatan“ benannt. Das sollen schlicht 600 Gramm Rindfleisch zwischen einem Hauch Weißbrötchen sein. Gleichwohl, der Erfinder macht Furore. Hätte so etwas nicht auch einem hiesigen Imbisser einfallen können? Einfach das Rezept übertreiben und das Produkt personalisieren. Dolly Buster – … lassen wir das!


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„Waldi“ geht allerdings gar nicht. Beziehungsweise: Nicht mehr! Hier würde man heute vielleicht seinen Hund füttern, wenn überhaupt. Nun gibt es diesen Imbiß – er stand im Schweinfurter Hafengebiet vor einem Baumarkt – auch nicht mehr. Und mit diesem Aufruf, es besser zu machen, wollen wir in diesem Jahr unsere kleine Serie beenden.

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