Ausgehtracht aus dem Ochsenfurter Gau

Trachten in Franken

Messe106 KopieWenn man heute noch von jemanden sagen kann, ein ganzes Leben der Pflege und dem Bewahren der heimatlichen Tracht gewidmet zu haben, dann wohl von Gudrun und Alfred Dörr aus Würzburg. Der ehemalige Postbeamte und die Verwaltungsangestellte, die für uns die Ausgehtracht aus dem Ochsenfurter Gau präsentieren, haben sich vor rund 50 Jahren durch ihre Mitgliedschaft im Heimat- und Trachtenverein Würzburg kennengelernt. All die Jahre haben sie sich aktiv am Vereinsleben beteiligt, waren zwischen 1962 und 1984 Bezirksvortänzer und sind heute noch als Berater des unterfränkischen Trachtenverbandes (36 Vereine) tätig. Beide besitzen dabei nicht nur ein schier unerschöpiches Fachwissen, sondern verfügen – das gilt ganz besonders für Gudrun Dörr – auch über reichlich handwerkliches Geschick, denn die liebevoll verzierten Kleider und Accessoires, die tatsächlich den historischen Vorgaben entsprechen, gibt es nicht zu kaufen, die muß man selbst herstellen. Seit über 30 Jahren fertigt Gudrun Dörr darüber hinaus die Trachten für den weiblichen Nachwuchs des Vereins. Für die Männer scheint es nicht ganz so schwierig zu sein, obwohl ein Gehrock, wie ihn Alfred Dörr auf dem Bild trägt, natürlich auch eigens geschneidert werden mußte. Und den Hut, ein „abgerundeter Kantenkopf“ aus Hasenhaarfilz, gibt es natürlich auch nicht von der Stange. Wie überhaupt heute die Schwierigkeiten, bestimmte Stoe, Garne und sonstige spezielle Utensilien, die man für eine richtige Tracht braucht, vermutlich wieder so groß sind wie Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Wittelsbacher die Trachten in Bayern einführten, um das Regionalbewußtsein der Bevölkerung zu fördern. Damals kamen z.B. die Stoffe aus Frankreich, die Muster der Tücher wurden von Vorlagen aus Ostasien abgeguckt, die Stickereien orientierten sich an der damals aktuellen Biedermeier-Mode, Hüte – z.B. der Dreispitz, der um 1860 von großen runden Hüten abgelöst wurde – und Schnallenschuhe mit rotlackierten Absätzen daran, was ursprünglich dem Adel vorbehalten war. So regional einzigartig Trachten also auch sein mögen, genaugenommen handelt es sich um eine durchaus sehr weltoffene Kleidung, deren erstaunliche Farbenpracht – vor allem, was die katholischen Trachten anbelangt – übrigens auch einen sehr sympathischen Grund hat. 1864 wurden die Anilinfarben erfunden; just in der Zeit, in der man die Trachten entwickelte, konnte sich also die Farbenlust endlich so richtig austoben.

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