Aus dem gleichen Holz

Fünf Generationen haben die Dildeys gedrechselt. Jetzt folgt niemand - oder ein Mädchen.

Die beiden reden ein bißchen zu laut. Nicht direkt störend. Aber eben durchdringend. Die Ursache dessen ist gewissermaßen erblich. Sobald einer der beiden Drechslermeister einen geheimnisvollen Hebel umlegt, alte Lederriemen knarrzend anlaufen, große, kleine und mittlere Holzräder an einer Eisenachse über den Köpfen rumpelnd in Bewegung geraten, das Kantholz im Spannfutter am Werktisch singend zu routieren beginnt und endlich ein schauderhaftes Seufzen durch die Werkstatt tönt, wenn der grobe Meißel in den Eschenscheit fährt, begreift jeder, warum der 70jährige Leonhard und der 36jährige Jürgen Dildey auch dann die Stimmen erheben, wenn die ganze Teufelsmaschine nicht läuft. Die Ohren eben. Tja. Eine Berufskrankheit. „Wenn’s mal ganz laut wird, ziehen wir die Mickymäuse an“, sagt der Sohn. Und deutet auf zwei paar große Ohrenschützer, die holzstaubbedeckt an einem Wandhaken vor sich hindämmern.  Es riecht, wie es eben riecht, wenn mit Holz gearbeitet wird: Ein bißchen Terpentin, ein bißchen angekokelter Tannenzweig, eine Ahnung von Orangenschale. Ein guter Geruch.

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